VMware Lizenzkosten nach Broadcom: Was KMU 2026 wirklich zahlen
Die Broadcom-Übernahme von VMware hat die Kostenstruktur für Virtualisierung fundamental verändert. Besonders KMU sind von den neuen Lizenzmodellen betroffen. Kunden berichten von Preiserhöhungen zwischen 150% und 500% – manche sogar von bis zu 1'500%. In diesem Artikel analysieren wir die tatsächlichen Kosten für Schweizer KMU und zeigen Handlungsoptionen auf.
Die neue VMware-Preisstruktur verstehen
Ende der Perpetual-Lizenzen
Seit Anfang 2024 verkauft Broadcom keine Perpetual-Lizenzen mehr. Das bedeutet:
- Keine Einmalkäufe mehr möglich
- Bestehende Lizenzen können nicht mehr verlängert werden
- Nur noch Subscriptions verfügbar
- Jährliche Zahlungen statt einmaliger Investition
Für KMU, die ihre VMware-Infrastruktur über 5-10 Jahre abgeschrieben haben, ist dies ein fundamentaler Wandel.
Minimum-Core-Anforderungen
Die Mindestlizenzierung wurde auf 72 Cores pro CPU erhöht (zuvor 16 Cores):
Was das bedeutet:
- Ein Server mit 8 Cores muss für 72 Cores lizenziert werden
- Kleine Umgebungen zahlen überproportional viel
- Die effektiven Core-Kosten steigen um das Vier- bis Neunfache
Die neuen Produktbundles
Broadcom hat Tausende SKUs auf wenige Bundles reduziert:
| Bundle | Hauptkomponenten | Listenpreis 2024 |
|---|---|---|
| vSphere Foundation (VVF) | vSphere, vCenter | ~CHF 135/Core/Jahr |
| VMware Cloud Foundation (VCF) | VVF + NSX + vSAN + Aria | ~CHF 350/Core/Jahr |
Sie können keine Einzelprodukte mehr kaufen. Brauchen Sie nur vSphere? Sie zahlen trotzdem für VVF.
Konkrete Kostenberechnung für KMU
Szenario: Typisches Schweizer KMU
Ausgangslage:
- 2 VMware-Hosts
- Je 2 CPUs mit 8 Cores (32 Cores total)
- 20 VMs
- vSphere Essentials Plus (bisher)
Frühere Kosten (vor Broadcom)
| Posten | Kosten |
|---|---|
| vSphere Essentials Plus | CHF 5'000 einmalig |
| Support (20%/Jahr) | CHF 1'000/Jahr |
| Über 5 Jahre | CHF 10'000 total |
| Pro Jahr | CHF 2'000 |
Neue Kosten (ab 2024)
| Berechnung | Wert |
|---|---|
| Tatsächliche Cores | 32 |
| Zu lizenzierende Cores | 72 (Minimum) |
| vSphere Foundation Preis | CHF 135/Core/Jahr |
| Jährliche Kosten | CHF 9'720 |
Kostensteigerung: 386%
Szenario: Grösseres KMU
Ausgangslage:
- 4 VMware-Hosts
- Je 2 CPUs mit 16 Cores (128 Cores total)
- 80 VMs
- vSphere Standard (bisher)
Neue Kostenrechnung
| Berechnung | Wert |
|---|---|
| Tatsächliche Cores | 128 |
| Zu lizenzierende Cores | 144 (2x 72 Minimum pro CPU-Gruppe) |
| vSphere Foundation Preis | CHF 135/Core/Jahr |
| Jährliche Kosten | CHF 19'440 |
Mit vCenter Management und erweiterten Features steigt der Preis schnell auf CHF 25'000-40'000/Jahr.
Versteckte Kosten und Fallstricke
1. Support-Kosten
Die Support-Gebühren unter Broadcom betragen nun 25-30% des Lizenzwerts (zuvor 20-25%):
| Lizenzwert | Support (25%) |
|---|---|
| CHF 10'000 | CHF 2'500/Jahr |
| CHF 25'000 | CHF 6'250/Jahr |
| CHF 50'000 | CHF 12'500/Jahr |
2. Strafgebühren bei verspäteter Verlängerung
Verspätete Renewals kosten 20% Aufschlag auf das erste Jahr. Verpassen Sie die Frist, zahlen Sie empfindlich drauf.
3. Audit-Risiko
Broadcom führt häufiger Lizenz-Audits durch. Inkonsistenzen zwischen Verträgen und tatsächlicher Nutzung können teuer werden.
4. Upgrade-Pfade
Der Wechsel von älteren Versionen (vSphere 6.x, 7.x) auf aktuelle Versionen ist nur mit neuen Subscriptions möglich – zu aktuellen Preisen.
Was Ihre Optionen sind
Option 1: Bei VMware bleiben
Vorteile:
- Keine Migration nötig
- Bewährte Technologie
- Vorhandenes Know-how
Nachteile:
- Deutlich höhere Kosten
- Unsichere Zukunft
- Abhängigkeit von Broadcom
Empfehlung: Nur wenn Migrationkosten die Lizenzkosten übersteigen oder starke VMware-Abhängigkeiten bestehen.
Option 2: Zu Alternativen migrieren
Mögliche Zielplattformen:
| Plattform | Kosten | Migrationsaufwand |
|---|---|---|
| Proxmox VE | CHF 0-350/Jahr/Host | Mittel |
| Microsoft Hyper-V | In Windows Server | Mittel |
| Nutanix AHV | In Nutanix-Lizenz | Hoch |
| Azure Stack HCI | Azure-basiert | Hoch |
Detaillierte Kostenrechnung:
Ein KMU mit 2 Hosts und 32 Cores spart bei Proxmox:
- VMware: CHF 9'720/Jahr
- Proxmox (mit Standard-Sub): CHF 700/Jahr
- Ersparnis: CHF 9'020/Jahr
Über 5 Jahre: CHF 45'100 Ersparnis
Option 3: Hybrid-Ansatz
Behalten Sie kritische Workloads auf VMware, migrieren Sie unkritische auf Alternativen.
Beispiel:
- ERP-System: bleibt auf VMware (Vendor-Support erfordert es)
- Fileserver, Web, Dev-Umgebungen: auf Proxmox
- Reduzierte VMware-Lizenzkosten + günstige Alternative
Option 4: Cloud-Migration
Für manche KMU kann der Wechsel in die Public Cloud sinnvoll sein:
| Provider | Typische Kosten (vergleichbare Workloads) |
|---|---|
| Azure | CHF 1'500-3'000/Monat |
| AWS | CHF 1'200-2'500/Monat |
| Swiss Cloud (z.B. Exoscale) | CHF 800-2'000/Monat |
Beachten Sie:
- Datensouveränität (Schweizer Rechenzentrum?)
- Langfristige Kosten (Cloud ist oft teurer als On-Prem)
- Abhängigkeit vom Provider
Verhandlungstipps für VMware-Kunden
Falls Sie bei VMware bleiben möchten oder müssen, hier Strategien zur Kostenoptimierung:
1. Mehrjährige Verträge
3-Jahres-Verträge bieten oft 10-20% Rabatt gegenüber Jahresverträgen.
2. Core-Optimierung
- Konsolidieren Sie Workloads auf weniger, leistungsstärkere Hosts
- Reduzieren Sie die Anzahl der Sockets
- Prüfen Sie, ob Sie tatsächlich alle Features brauchen
3. Timing nutzen
- Verhandeln Sie vor Quartalende (Sales-Druck)
- Ein niederländisches Gericht zwang Broadcom zur Unterstützung während der Migration – nutzen Sie dies als Argument
4. Alternativen glaubhaft machen
Präsentieren Sie konkrete Migrationspläne. Broadcom verhandelt eher, wenn der Kundenverlust droht.
5. VAR/Partner nutzen
Arbeiten Sie mit erfahrenen Value Added Resellern. Sie haben oft bessere Konditionen und Verhandlungsspielraum.
Rechtliche Perspektive
EU-Kritik und Regulierung
CISPE hat die EU-Kommission verklagt, um die Genehmigung der Übernahme aufzuheben. Argument: Die Kommission hat die Wettbewerbsrisiken nicht ausreichend geprüft.
Die EU-Kommission untersucht Broadcom's Lizenzpraktiken nach Beschwerden europäischer Handelsverbände.
Was das für Sie bedeutet
- Mögliche regulatorische Eingriffe könnten Preise beeinflussen
- Dokumentieren Sie alle Preiserhöhungen
- Bei extremen Erhöhungen (>200%) könnte rechtliche Beratung sinnvoll sein
Checkliste: Nächste Schritte für Ihr KMU
Sofort (diese Woche)
- [ ] Aktuelle Lizenzkosten dokumentieren
- [ ] Vertragslaufzeiten prüfen
- [ ] Core-Anzahl aller Hosts erfassen
- [ ] Kritische VMware-Abhängigkeiten identifizieren
Kurzfristig (1-3 Monate)
- [ ] Alternativen evaluieren (Proxmox, Hyper-V)
- [ ] TCO-Vergleich erstellen
- [ ] Mit VMware-Partner über Optionen sprechen
- [ ] Migrationskosten schätzen
Mittelfristig (3-12 Monate)
- [ ] Entscheidung treffen
- [ ] Migrationsprojekt planen
- [ ] Budget für Transition sichern
- [ ] Know-how aufbauen (Schulungen)
Fazit
Die Broadcom-Übernahme hat die VMware-Kosten für KMU massiv erhöht. Ein typisches Schweizer KMU zahlt heute 300-500% mehr als vor der Übernahme.
Die gute Nachricht: Es gibt ausgereifte, kosteneffiziente Alternativen. Eine Migration zu Proxmox oder Hyper-V kann über 5 Jahre CHF 40'000-100'000 einsparen – bei vergleichbarer Funktionalität.
Unsere Empfehlung für Schweizer KMU:
- Nicht panisch handeln, aber auch nicht abwarten
- Alternativen ernsthaft evaluieren
- Migrationsentscheidung vor dem nächsten Renewal treffen
- Bei Verbleib: aggressiv verhandeln
Sie benötigen Unterstützung bei der Analyse Ihrer VMware-Kosten oder der Evaluation von Alternativen? Host42 bietet:
- Kostenlose Erstberatung für Schweizer KMU
- TCO-Analysen für Ihren spezifischen Fall
- Migrationsprojekte mit Festpreis-Garantie
- Managed Services für Ihre neue Plattform
Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Gespräch.
Weiterführende Artikel: